Pressebericht vom 12.10.2009
Die Telgter Bürgerenergie eG vor der Gründung
Ab 500 Euro können sich Telgter Bürger an der Genossenschafat beteiligen.
aus Westfälische Nachrichten:
Ab 500 Euro Sonne tanken
Telgte - Die Genossenschaft „Telgter Bürgerenergie eG“ soll am 20. Oktober gegründet werden. Der Rat machte dafür am Donnerstagabend einstimmig den Weg frei. Gemeinsam mit der Stadt bringen die Vereinigte Volksbank und die Stadtwerke ETO dieses „Kind“ auf die Welt.
Alle natürlichen und juristischen Personen, also zum Beispiel Firmen, die hier wohnen oder in Telgte ihren Sitz haben, können sich in die Genossenschaft einkaufen. Ein Geschäftsanteil kostet 500 Euro. Die Höchstbeteiligung ist zurzeit auf 20 000 Euro festgesetzt, wie Reinhold Ginski, Chef der Bauverwaltung, im Rat erläuterte. Die Anteilseigner können mit einer Rendite oberhalb von fünf Prozent rechnen.
Zweck der Genossenschaft ist es, Solaranlagen zu errichten und zu betreiben. Das soll vorwiegend auf Dächern städtischer Gebäude geschehen - 17 000 Quadratmeter kommen in Frage. Aber auch auf Dächern Dritter können Anlagen gebaut werden. Die Volksbank wird in Infoveranstaltungen für das Projekt werben und die Anlagen auch finanzieren. Die ETO übernimmt den technischen Part, legt die Einspeisepunkte fest und rechnet im Wege eines Zusammenarbeitsvertrages die eingespeisten Mengen ab.
17 000 Quadratmeter Platz für Solaranlagen bieten allein die Dächer der städtischen Immobilien. Foto: Große Hüttmann
Die Genossenschaftsidee ermögliche es, ein breites Publikum anzusprechen, so Bürgermeister Meendermann. Deshalb habe die Stadt nicht vorschnell Flächen an Interessenten vergeben. „Wir wollten kein Windhundverfahren.“
Grundsätzlich gab es im Rat keine Einwände gegen die Genossenschaftsgründung, wie das einstimmige Ergebnis zeigt. Doch frei von kritischen Anmerkungen war die Diskussion nicht. Warum soll die Beteiligung auf örtliche Interessenten beschränkt bleiben? Was ist mit denen, die Geld in Solaranlagen investieren, aber nicht der Genossenschaft beitreten wollen? Für sie müssten Kriterien bei der Vergabe von städtischen Dachflächen festgelegt werden, forderte Christoph Boge (CDU). Was sagt man denen, die schon ein halbes Jahr gewartet haben? „Viele Fragen sind noch nicht geklärt“, meinte Wolfgang Pieper (Grüne). Doris Suntrup (FDP) - ihre Fraktion hat sich enthalten - kritisierte den hohen bürokratischen Aufwand bei diesem Konstrukt. Prof. Rüdiger Robert (SPD) störte sich daran, dass die städtischen Dachflächen umsonst abgegeben werden, während ETO und Volksbank ihre Kosten in Rechnung stellten.
Tonius Hertleif (CDU) konnte die Bedenken nicht nachvollziehen: „Für mich das die unbürokratischste und schnellste Lösung.“